Daniela Zyman
Vorort
Eine besondere Herausforderung ist, das klassische Medium
der Bildproduktion in ein Ausstellungsgefüge einzugliedern,
das sich dem Ort verschreibt und, wie besprochen, betont
raumproduzierende Eigenschaften hervorbringt bzw. als
prozessuales Produkt ästhetischer Intervention erfahrbar ist.
Tobias Pils’ neue Serie von 24 großformatigen Bildern
antwortet mit stillen Gesten und einfachen Verschiebungen.
In erster Linie reagiert Pils mit der Art der Hängung, daher
der Anbringung von Malerei im Raum – dem „Einräumen“.
Pils’ Bilder sind nicht den Konventionen der Malerei
entsprechend an zentralen, gut ausgeleuchteten Wänden, die
Blickachsen produzieren oder verstärken, gehängt, sondern
„drängen“ sich auf der zentralen Wandscheibe in der annähernden
Mittelachse der Ausstellungsgalerie. Mit ca. 20 cm
Abstand zueinander sind die Arbeiten auf beiden Seiten des
Wandverlaufes seriell angebracht – einem inneren Rhythmus
folgend, aber ohne hierartische Anordnung oder Berücksichtigung
von toten Blickwinkeln oder Raumengen, die die
Betrachtung der Werke erschweren. Die Orientierung der
Sinne auf Bewegung und gesamtheitliche Erfassung
zulasten der optimalen Sichtbarkeit des Einzelbildes ist
auch hier mit der Dynamisierung des Raumes zu erklären.
Aber auch in der Beschaffenheit der einzelnen
Bildträger hat Pils auf die angrenzenden Arbeiten im Raum
reagiert. Die vorgegebene Orthogonalität des Bildrahmens
wird durch die Anfertigung von speziellen Rahmenformaten
verstärkt, die das Bild als rechteckiges Feld und auch als
Bildträger, Bildobjekt nochmals betonen. Auch in den
Bildmotiven taucht in dieser Serie der Winkel (wenn auch
nicht als rechter Winkel) immer wieder auf und thematisiert
damit verstärkt das Verhältnis des Rahmens zum Bild, des
rechten Winkels zum locker gemalten Winkelhaften, des
Bildes zur Verbildlichung.
Um Verbildlichung geht es dann auch in der Motivik:
man glaubt Gegenstände zu erkennen, wie zum Beispiel die
Textur von Holz oder eines Holzbalkens, Zöpfe, Puzzleformen, Sonnenblumen, aber diese Erkennungsmale
bleiben ambivalent, löschen sich durch ihre darstellerische
Flüchtigkeit wieder aus. Als ob die angedeuteten Formen
auf weit entfernte, nicht fassbare Begriffe und Vorstellungen
verweisen würden, und die Verbildlichung unsere
(abstrakten) Denkformen anzuregen vermögen ohne
sie zu binden.
Gegenläufig zur harten Ästhetik von Kienzer und
Wilfling, ist daher Pils’ Malerei betont „handgemacht“, der
Pinselauftrag sehr trocken, wie „angestrichen“, als gemaltes
Zeichen erkennbar, ohne dem Malerischen als Materialproblem
nachzugehen. Er malt, könnte man sagen, gegen die
Malerei, zeichenhaft und lapidar, eine Malerei des Details, der
Silhouette, in schwarz und Grautönen, mit einer „prekären
Unbestimmbarkeit“, eine Malerei des Verzichts, der einfachen
Formen, der schlichten Oberfläche. Der Blick des Betrachters
bleibt auf der Oberfläche haften, die den Gegenständen
selbst als Schutzschild dient, ihr Inneres, ihr Wesen, ihre
formgebende Essenz bleiben ihm entzogen.
(aus: Kienzer, Pils, Wilfling - Katalog Museum für Gegenwartskunst Stift Admont)
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