jessica hausner
botschaft aus dem all zu den bildern von tobias pils
ein deja vu, eine vage erinnerung-
ein blick hinter die allseits bekannte welt der geordneten dinge, um dahinter ein rätsel vorzufinden: ein verzerrtes abbild dessen, was ich als bekannt und benannt eingestuft hatte- und während ich nachdenke, woran mich das was ich sehe erinnert- an einen menschlichen knochen oder doch ein ofenrohr? indem ich also darüber nachdenke, wie wenn man sich am morgen an die restbilder eines traums zu erinnern versucht, indem ich die verbindung zu der mir bekannten welt mit den bekannten dingen und tauglichen namen für all diese dinge zu rekonstruieren versuche, merke ich, daß dieser weg ein holzweg ist: was ich sehe will gar nicht rekonstruiert werden und dann beginne ich eine welt wahrzunehmen, die chaotisch ist, die sich der sinnstiftung verweigert, die teilweise irgendetwas ähnelt, aber im wesentlichen unklar bleibt- das ist ihr wesen, die ähnlichkeit und die fremdheit. auf einmal lese ich die matrix hinter den dingen: gerade war ein tisch noch ein tisch, jetzt ist er es nicht mehr. und der sinn und die logik werden entlarvt als hilflose vehikel sich zu beruhigen vor dem angesicht des universums, das wohl ein kalter dunkler ort ist- (im angesicht des chaos wird mir schon mal angst und bange)- wie gerne wollte ich glauben, daß der tisch wohl ein tisch ist, weil er tisch heißt und daß eins und eins zwei ist und daß streben zum ziel führt und daß gutes belohnt wird und daß nur der teufel tsunamis auf die erde schickt. der teufel und der liebe gott sitzen wohl irgendwo in einem hinterzimmer und spielen karten und haben auf die welt vergessen- und auf einmal denke ich: gott sei dank! gott sei dank ist der liebe gott im urlaub, denn auf einmal kann ich sehen und mir kommt vor, ich war vorher blind: was ich sehe ist etwas ohne worte, es hat mit der form und dem rythmus dieser seltsam bekannten- fremden gebilde zu tun, mit dem zusammenexistieren von geraden linien und amorphen gestalten, eine koexistenz, die ohne den zwang bedeutung zu stiften (ohne den zwang sich zu erkennen zu geben) auskommt und das rätsel selbst beginnt zu sprechen: ein blick in den wilden ungeordneten hintergrund der aufgeräumten geordneten welt, ein gruß aus den vorzeiten, wo im wald geister waren, die zum klang des universums tanzen. der klang des universums. eine rätselhafte melodie, der die ereignisse auf diesen bildern folgen-, kein einklang- eher ein echo - ich werfe einen blick hinter den vorhang und erkenne, dahinter liegt das universum, dessen klang zwingend und ungeschönt ist und erkenne meine naive hoffnung auf eine auflösung aller mißverständnisse als augenklappe, die mir bisher den blick verstellt hat auf die waghalsige schönheit der ungeschönten wahrheit (chaos). ich kann die welt nicht begreifen und indem ich das begreife, werde ich zum teil davon und mein eifriger plan geht verloren. ein blatt fällt vom baum und jemand fragt sich, warum gerade jetzt?
irgendwo tickt eine uhr
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